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Was die Franzosen lieben

Wein (in Lyon vor allem der hier heimische Beaujolais), Rugby, Joghurt, Prinzipien, bei rot über die Straße gehen, Bäckereien, Abkürzungen, Käse, vom Bad abgetrennte Klos, Comics, Straßencafes mit sehr kleinen Tischen, Röhrenjeans, Designerbrillen, Kreisverkehre, Espresso, Kino, Nachnamen in Großbuchstaben schreiben

Juhu, es ist Wochenende und nach meiner ditten Uniwoche (tatsächlich!) werde ich Euch mal ein bisschen was über das französische Unisystem erzählen. Vor den französischen Vorlesungen wurde ich ja schon vorher gewarnt, nun habe ich zwei und die sind doch sehr verschieden. Die eine nennt sich “L’image” und ist eine recht tradtionelle Bildtheorie-Vorlesung, die thematisch von Platons Höhlengleichnis bis zu digitalen Bildern reicht. Das Einzige was ich daran auszusetzen hab, ist eigentlich wirklich die viel zu frühe Zeit am Mittwoch um 8. Mir wurde übrigens auch schon versichert, dass das eine der besseren Vorlesungen ist, es gab hier nämlich auch schon Kunstrezeptions-Vorlesungen ohne Bildbeispiele.

Meine Donnerstags-Vorlesung ist dann schon weitaus französischer. Kurz und knapp heißt das man schreibt 90 Minuten lang wie besessen (mein Schnitt liegt bei 3 Seiten kleinkariert und jede Zeile beschrieben) um das Ganze dann für die Klausur am Jahresende auswendig zu lernen. Das Thema ist übrigens “Sociologie des organisations” und da geht’s dann um lauter Ökonomietheorien. Vom Verstehen komm ich erstaunlich gut mit, auch wenn meine Mitschriften mit denen der Franzosen nicht mithalten können. Die schreiben nämlich in Satzform und Schönschrift mit (wie auch immer sie das tun). Die Dozenten verkündet dann jedenfalls irgendwann das Ende des Marathons (eine Begrüßung zu Beginn gibt es übrigens nicht), durch die Reihen geht ein erleichtertes Raunen und alle verlassen fluchtartig den Saal.

Etwas entspannter geht es bei den Seminaren zu, hier hat man es nur noch mit 20 bis 30 Leuten zu tun und es wird zur Abwechslung auch mal interagiert. Ganz witzig ist aber, dass die Franzosen es gar nicht gewohnt sind, Hausarbeiten zu schreiben und da verbringt man dann eben mal 90 Minuten damit, Fünftsemestlern zu erklären, wie das eigentlich geht und wie man es schafft, selbst ein Thema zu finden. Ist tatsächlich so geschehen, ich war Zeuge. Ansonsten sind die Seminare aber ziemlich gut, ich habe bisher zwei – “Analyse de l’image” und “Introduction au marketing”.

Ja, das also zu meinem Uni-Alltag hier, zum Schluss kann ich Euch noch von der neusten Köstlichkeit berichten, die ich hier entdeckt habe: Orangen-Feigen-Marmelade. Etwas klebrig-süß im Mund, aber eigentlich très delicieux. Kommt aber nicht an den Apfelmus mit Himbeeren ran. In diesem Sinne bon appetit und ein schönes Wochenende!

Ja, dass Sido uns mit seinem lyrisch und musikalisch wertvollen Titel „Mein Block“ erfreut hat, dürfte auch schon wieder zwei Jahre her sein. In meinem Sprachkurs heut morgen hab ich jetzt die französische Variante kennen gelernt. Das Stück des Sängerbarden Renaud heißt „Dans mon HLM“ und ist schon knapp 30 Jahre alt; hat Sido also auch nur geklaut die Idee.

HLM heißt übrigens „habitation à loyé modéré“ und bezeichnet die französischen Sozialwohnungen und was zuerst klingt wie beschwingter französischer Chanson, hat es doch ganz schön in sich.

Der gute Renaud singt nämlich im Refrain „Putain c’ qu’il est blême, mon HLM! Et la môme du huitième, le HLM“, was übersetzt so viel bedeutet „Hure (heute wäre das wohl eher bitch), wie farblos es ist, mein HLM! Und das junge Mädchen im achten Stock, das HLM“. Aber die Franzosen wären nicht die Franzosen, hätten sie ihre geliebten Wortspiele nicht. „Le HLM“ klingt nämlich nicht nur wie „le HLM“, sondern eben auch wie „le hasch elle aime“ und somit werden wir dann auch ganz subtil über die Gepflogenheiten des Mädchens aus dem 8. Stock informiert. Um zu wissen, was die junge Dame so liebt, braucht man nicht mal mehr Französischkenntnisse und so musste unser Lehrer auch nur sagen, dass „hasch“ eben „l’haschisch“ oder „le shit“ ist, wobei vor allem letzteres Wort mit französischem Akzent recht amüsant klingt.

Wie Ihr seht, gibt’s im Sprachkurs also nicht nur französisches Liedgut, sondern eben auch französische Vokabeln der anderen Art. Wie gut, dass ich mein Blog hab (man beachte das Wortspiel mein Blog / mein Block), um mein Wissen mit Euch zu teilen und wer jetzt neugierig geworden ist, kann sich das Ganze auch noch mal bei YouTube anhören und sich über die 80er Frisuren von Renauld amüsieren.

Service-Nation Frankreich?

Nun bin ich schon fast drei Wochen hier, aber wie es um den Service in Frankreich steht, weiß ich immer noch nicht genau. Bei meinem ersten Besuch bei McDonald’s (oder McDo wie die Franzosen sagen), wurden wir gleich fünf Sekunden nachdem wir aufgegessen hatten von unseren Stühlen verscheucht und auch hinsetzen und auf andere warten wird nicht gern gesehen. Heut war ich dann im TCL-Büro um mein Metro-Tram-Bus-Ticket für Oktober zu verlängern. Nun kann man das sogar an den Fahrscheinautomaten tun – einfach Ticket auf den Scanner und die 31,20 Euro bezahlen. Klingt gut, bezahlen kann man aber nur in Münzen (so viel Kleingeld hatte ich zufällig grad nicht dabei) oder mit der Carte Bleue, der französischen Kreditkarte (ich warte aber noch auf meine und hab schon von Leuten gehört, bei denen das drei Wochen gedauert hat). Naja, also musste ich mich doch eine halbe Stunde in die Schlange stellen, aber dafür durfte ich dann sogar mit Scheinen bezahlen.

Auf der anderen Seite gibt’s hier aber auch so tolle Sachen wie drei verschiedene kostenlose Zeitungen, die täglich in den Metrostationen ausliegen und die nicht zu vergleichen sind mit den deutschen Kostenlos-Blättern, die allwöchentlich im Briefkasten liegen. Und von den Amis haben sich die Franzosen auch was abgeguckt, in den Supermärkten gibt’s nämlich kostenlose Plastiktüten en masse. Zwar kann man nicht zwischen Papier und Plastik wählen und selbst einpacken muss man auch, aber im Vergleich zum deutschen „Du hast keine Tüte? Dann kauf dir eine“ ist das doch schon mal was Feines.

Da bleibt mir wohl nicht anderes als mich weiter zu wundern, wie sehr Frankreich Service-Nation ist, aber wenn ich doch irgendwann schlauer bin, sag ich Euch Bescheid.

Schwedisches Frühstück

Nachdem ich mich gestern über meinen Uni-Campus beschwert habe, muss ich heute der Gerechtigkeit halber ein wenig relativieren. Der Vorteil eines Campus’ am Stadtrand ist nämlich der, dass es in einer Entfernung von 10 Minuten Fußweg einen IKEA gibt. Den haben mir Barbara und Sina heut morgen nach der 8 Uhr-Vorlesung gezeigt und so hab ich auch gleich erfahren, dass IKEA ein großartiger Ort zum frühstücken ist. Reinkommen tut man zwar erst ab 10, aber um das Warten zu versüßen (im wahrsten Sinne des Wortes) gibt es für die wartende Meute kostenlos Kaffee, O-Saft und schwedische Kekse. Das ist aber noch nicht alles, denn im IKEA-Restaurant gibt es dann bis um 11 das petit dejeuner für sage und schreibe einen Euro. Der Umfang kann sich auch sehen lassen – ein Baguette mit Marmelade, ein pain au chocolat und Kaffee/Cappuccino/heiße Schokolade und Wasser so viel man will. Gutes Essen für wenig Geld, da freut sich die Katja, vor allem dann wenn ich um 7 das erste Mal frühstücken muss und ich dann um 8 wieder Hunger hab, weil ich es nicht gewohnt bin schon so früh zu essen.

So viel also zur Verteidigung des Campus und für meine nächste zu überbrückende Pause hab ich dann auch schon eine Beschäftigung gefunden IKEA Einkaufsbummel, juhu!