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Neues von der Streikfront
0 Comments Published by KateL November 15th, 2007 in french-cheese, sounds from somewhereFrankreich streikt weiter und seit heut morgen sind an meiner Uni beide Campus geschlossen. Das ist diesmal sogar eine Anordnung von ganz oben, weil der Unirektor nämlich Sicherheitsbedenken hat ist bis Freitag erstmal alles dicht. Ansonsten sind inzwischen 41 der 85 französischen Unis ganz oder teilweise blockiert und die Bahn streikt auch fröhlich weiter.
Was ganz interessant ist, ist dass die Studenten ja nicht nur wegen des neuen Hochschulgesetzes streiken, sondern eben auch weil sie sich mit den öffentlichen Angestellten und allen anderen, die von Sarkozys neuen Gesetzvorschlägen benachteiligt werden, solidarisieren. Bei manchen Gesetzen ist das vielleicht gut so, aber die Rentenreform, die hier momentan am heißesten diskutiert und bestreikt wird, ist schlicht und einfach überfällig. Da können z.B. die Eisenbahner mit 50 bzw. 55 in den Vorruhestand gehen, weil das 1850 festgelegt wurde, denn damals sollte man als Eisenbahner für die große Verantwortung und die harte Arbeit belohnt werden. Das ist aber eben über 150 Jahre her und inzwischen gab es schon ganz viele großartige technische Neuerungen, die uns das Leben und eben auch das Zug fahren vereinfachen; aber wenn man sich an solche Privilegien gewöhnt hat, will man die halt nicht so einfach aufgeben. Ansonsten geht’s den Eisenbahnern hier aber auch gar nicht schlecht – im Vergleich zu den deutschen Lokführern verdienen sie jährlich über 30% mehr und das bei einer 35 Stunden-Woche. Wer noch mehr über den französischen Streikwahn wissen will, kann sich übrigens bei SPIEGEL Online noch einen ganz interessanten Artikel dazu durchlesen.
Ansonsten waren hier heute sogar Schneeschauer angekündigt, aber wie zu erwarten gab es wieder nur Sonne und kalten Wind (den dafür mit 70 km/h). Also erfreut Euch ein bisschen am deutschen Schnee und Montag gibt’s die neusten News von der Streikfront, da wird nämlich an den Unis über eine Fortsetzung der Blockade abgestimmt. Laut Online-Umfrage an meiner Uni sind übrigens 63% gegen die Blockade, mal gucken ob die dann auch alle zur Vollversammlung kommen.
Am Wochenende gibt’s aber wahrscheinlich schon einen kleinen nachträglichen Lyon-Reisebericht der letzten zwei Wochen, da muss ich nur noch ein paar Bilder zusammensuchen, die ich Euch zeigen kann.
Und es geht weiter
0 Comments Published by KateL November 13th, 2007 in french-cheese, occupational-therapyNachdem ich mich zwei Wochen lang über Besuch freuen durfte, bin ich nun wieder allein und wollte mich auch gleich wieder voller Tatendrang und Disziplin in den Unialltag stürzen. Das wird aber zumindest in dieser Woche nix, denn Frankreich streikt mal wieder und dieses Mal sind auch die Studenten mit von der Partie. Grund ist das neue Hochschulgesetz, das den Unis mehr Autonomie vom Staat verspricht und deshalb geht jetzt die große Angst vor einer Privatisierung der Hochschulen, höheren Studiengebühren usw. usf. um. Ich find ja den Autonomieansatz an sich gar nicht verwerflich und die ganzen Befürchtungen etwas hypothetisch, aber um mir hier irgendwelche Urteile erlauben zu können, weiß ich darüber grad noch zu wenig.
Wie dem auch sei, in der gestrigen Vollversammlung wurde beschlossen, dass der Campus in Bron vorerst bis nächsten Montag bestreikt wird. Das heißt konkret, dass die Eingänge mit Stühlen und Tischen verrammelt sind wie man es in Deutschland von Abifez-Streichen kennt und die Kurse allesamt nicht stattfinden. Gestern gab es wohl noch vermummte Demonstranten mit Schlagstöcken, als ich heut mitag da war, hatte das Ganze eher was von Semesterferien – der ganze Campus nahezu menschenleer. Am Montag wird dann über eine Verlängerung des Streiks abgestimmt, bei den letzten Studistreiks vor zwei Jahren war Bron wohl sechs Wochen lang dicht. Komisch ist es schon, dass es in Deutschland so schwer ist, die Leute gegen Studiengebühren zu mobilisieren, während die Leute hier nach ein paar Wochen landesweit die Unis verrammeln und damit dann unter Umständen auch mal ihre eigenen Abschlüsse verhindern, da wünscht man sich doch mal wieder das gesunde Mittelmaß.
Interessant ist übrigens auch, dass auf dem Campus in der Stadt (an dem ich aber nur montags habe) alles ganz normal weiterläuft. In Frankreich bekriegen sich nämlich auch die Studentenorganisationen untereinander und deshalb stimmt jeder Campus einzeln ab. Ab morgen streikt dann auch wieder die französische Bahn, nur dieses Mal unbefristet. Einige Stromanbieter sind auch dabei und die öffentlichen Verkehrsmittel legen nächste Woche nochmal einen Streiktag ein. Und ich werde wohl währenddessen die unfreiwillg freie Zeit dazu nutzen, endlich meine letzte deutsche Hausarbeit fertig zu kriegen und Spekulatius zu essen.
Parlez-vous anglais?
0 Comments Published by KateL Oktober 28th, 2007 in french-cheese, sounds from somewhereNun ist es ja allgemein bekannt, dass die Franzosen sehr stolz auf ihre Sprache sind und man hier nicht wirklich weit kommt, wenn man versucht auf Englisch Informationen zu sammeln. Nicht, dass die Franzosen einem keine Auskünfte auf Englisch geben könnten, man muss halt nur erstmal ein bisschen guten Willen zeigen, indem man sich einen Satz auf Französisch abmüht.
Aber auch sonst fällt hier auf, dass die Franzosen ihre Sprache sehr viel mehr vor englischen Einflüssen schützen als die Deutschen es tun. Fast alle Werbungen, die man hier sieht, sind komplett französisch, was daran liegt, dass es gesetzlich festgelegt ist, dass englische Werbesprüche mit einem Sternchen nochmal auf Französisch übersetzt werden. Die Übersetzung kann auch auf A1 in Schriftgröße 8 erfolgen, aber seit ich hier bin, hab ich bisher tatsächlich nur zwei Werbekampagnen mit englischen Slogans wahrgenommen.
Die meisten technischen Begriffe wurden hier auch ins französische übersetzt. Handy und Laptop heißen “le portable”, online heißt “en ligne”, der MP3 Player ist “le baladeur MP3″ und der DVD Player “le lecteur DVD”. Selbst die Bezeichnung Windows Media Player, bei der ich eigentlich dachte, es handele sich um einen Eigennamen, heißt hier “lecteur Windows Media”. Paradoxerweise sind es dann vor allem die simpelsten Begriffe, die es als Anglizismen in die französische Sprache geschafft haben – “le chewing gum”, “le barbecue” und “le week-end” zum Beispiel.
Ein ganz banaler Grund für die wenigen englischen Wörter ist aber vielleicht auch, dass die Franzosen sie einfach nicht aussprechen können. Bis ich mitbekommen hab, dass es sich bei “Pizza Ött” um Pizza Hut handelt, hat es schon nen Moment gedauert und die Hauptperson in dem Film, den ich letztens gesehen hab, hieß fieserweise Hank Hanson, was dann zu “Onk Onson” wurde.
Ein bisschen eigen sind die Franzosen also schon, aber dafür sind sie auch immer ganz enthusiatisch, wenn du mehr als zwei Sätze auf französisch sagst und versichern dir sofort, dass dein Französisch total super ist. In diesem Sinne also bon week-end und à bientôt!
Präsident sein ist nicht leicht
0 Comments Published by KateL Oktober 18th, 2007 in french-cheese, outer-worldDa wurde also heute das bekannt gegeben, was eh schon alle wussten – das Ehepaar Sarkozy lässt sich scheiden. Für Monsieur le Président ist das aber nicht genug des Leids, denn Frankreich streikt. Endlich lerne ich also den französischen Volkssport kennen und noch dazu von seiner besten Seite. Es geht hier nämlich nicht um irgendeinen Streik, sondern – glaubt man den Zeitungen – um den größten Streik seit 1995. Damals lag das ganze Land drei Wochen lang lahm – keine Züge, keine öffentlichen Verkehrsmittel, teilweise nicht einmal Strom. Während also die GDL in Deutschland den Zugverkehr lahm legt, haben sich in Frankreich acht Gewerkschaften vereinigt und zum Protest aufgerufen. Konkret heißt das, dass von den 700 regulär fahrenden TGVs heute gerade mal 46 fahren, in Paris war nur jede 10. Metro unterwegs, an einigen Schulen kamen die Lehrer nicht, 40% der Schulkantinen haben zu, an diversen Flughäfen passiert heute gar nichts usw. usf.
Warum das ganze Theater fragt man sich, und der Grund ist in etwa so nachvollziehbar wie die Aufregung der Franzosen über eine Abschaffung der 35 Stunden-Woche. Sarko hat nämlich seine erste große Reform durchgeboxt und mit der geht es den französischen Beamten und Staatsangestellten an den Kragen. Für die ist es nämlich durchaus üblich, mit 50 in Frührente zu gehen, doch um den Staatshaushalt ein wenig zu entlasten, soll jetzt Schluss sein mit den Privilegien. Die Aufregung ist groß, das Verständnis in der Bevölkerung aber erstaunlich gering. Normalerweise ist streiken für die Franzosen nämlich so was wie ein naturgegebenes Gesetz, aber die Mehrheit der Bevölkerung profitiert ja eh nicht von den Sonderrechten. Man darf jedenfalls gespannt sein, wie das Ganze ausgeht, der letzte Versuch einer Rentenreform war nämlich der von 1995 und nach drei Wochen Streik wurden die Pläne wieder fallen gelassen.
Die Franzosen streiken aber nicht nur gern, sie sind auch gut im demonstrieren. Und weil heute sowieso nationaler Protesttag ist, haben auch die Lyonnaiser Studenten zur Demo gerufen. Sarkozy will den Universitäten nämlich auch mehr Freiheit in ihrer Finanzierung, z.B. über Wirtschaftspartner, eingestehen, was diese furchtbar kapitalistische Welt noch viel furchtbarer machen würde.
Wie dem auch sei, ich hab diesen „schwarzen Donnerstag“, wie hier einige Zeitungen titelten, ganz unbeschadet überlebt, Tram und Metro fuhren in Lyon nämlich noch recht regelmäßig und auf den Rest war ich heut nicht angewiesen. Angekündigt waren erst mal nur 24 Stunden Streik, aber beendet ist die Geschichte damit sicher noch nicht, denn weder Sarko noch streikende Franzosen scheinen zu denen zu gehören, die schnell aufgeben.
Chronik eines Festmahls
0 Comments Published by KateL Oktober 14th, 2007 in french-cheese, occupational-therapyJa, heut hatten wir zum Mittag Besuch hier und es wurde gegrillt und da ist mir mal wieder aufgefallen, dass die Franzosen schon sehr anders essen als die Deutschen. In jedem Fall essen sie langsamer und dafür sehr viel ausgiebiger. Zum besseren Verständnis also mal eine kleine Chronik meines heutigen Mittagessens:
13.20 Uhr: Aperetif (die Franzosen sagen übrigens nicht aperetif, sondern apéro). Weißwein und petits fours salés. Sehr köstliche und einfache Erfindung, das sind nämlich kleine Häppchen aus Teig und Wurst oder Tomaten, die man nur kurz in den Ofen schiebt und dann warm isst.
13.50 Uhr: Zur Hauptspeise gibt’s Koteletts vom Grill, dazu Reis, Baguette und Salat. Rotwein und Wasser dürfen natürlich auch nicht fehlen.
14.40 Uhr: Käsezeit. Es gibt noch mehr Rotwein und gar köstlichen Käse, ich glaub es waren fünf Sorten, aber alle hab ich nicht probiert. Mein Favorit war der Brebis, ein Schafskäse, und dazu unfassbar leckere Kirschmarmelade, die Jeromes Mutter selbstgemacht hat.
15,10 Uhr: Dessert. Zum Abschluss gibt’s Obstsalat mit Äpfeln, Banane, Johannisbeeren, Ananas, Honigmelone und bestimmt noch anderen Leckerli. Außerdem gibt’s noch einen fantastischen Käsekuchen mit Himbeeren und zum Abschluss noch den obligatorischen Espresso.
Jetzt läuft Euch sicher das Wasser im Mund zusammen und Ihr rätselt womöglich schon, mit wie viel Kilo mehr ich wieder zurück komme. Mein schlechtes Gewissen und die Herbstsonne haben aber noch dafür gesorgt, dass ich zum joggen in den Parc de Gerland gefahren bin. Da klopf ich mir also ganz stolz auf die Schulter und hol mir noch einen dieser köstlichen Butterkekse, die ich letztens entdeckt hab. (Nee, natürlich nicht, aber die sind wirklich gut!)
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