Da wurde also heute das bekannt gegeben, was eh schon alle wussten – das Ehepaar Sarkozy lässt sich scheiden. Für Monsieur le Président ist das aber nicht genug des Leids, denn Frankreich streikt. Endlich lerne ich also den französischen Volkssport kennen und noch dazu von seiner besten Seite. Es geht hier nämlich nicht um irgendeinen Streik, sondern – glaubt man den Zeitungen – um den größten Streik seit 1995. Damals lag das ganze Land drei Wochen lang lahm – keine Züge, keine öffentlichen Verkehrsmittel, teilweise nicht einmal Strom. Während also die GDL in Deutschland den Zugverkehr lahm legt, haben sich in Frankreich acht Gewerkschaften vereinigt und zum Protest aufgerufen. Konkret heißt das, dass von den 700 regulär fahrenden TGVs heute gerade mal 46 fahren, in Paris war nur jede 10. Metro unterwegs, an einigen Schulen kamen die Lehrer nicht, 40% der Schulkantinen haben zu, an diversen Flughäfen passiert heute gar nichts usw. usf.

Warum das ganze Theater fragt man sich, und der Grund ist in etwa so nachvollziehbar wie die Aufregung der Franzosen über eine Abschaffung der 35 Stunden-Woche. Sarko hat nämlich seine erste große Reform durchgeboxt und mit der geht es den französischen Beamten und Staatsangestellten an den Kragen. Für die ist es nämlich durchaus üblich, mit 50 in Frührente zu gehen, doch um den Staatshaushalt ein wenig zu entlasten, soll jetzt Schluss sein mit den Privilegien. Die Aufregung ist groß, das Verständnis in der Bevölkerung aber erstaunlich gering. Normalerweise ist streiken für die Franzosen nämlich so was wie ein naturgegebenes Gesetz, aber die Mehrheit der Bevölkerung profitiert ja eh nicht von den Sonderrechten. Man darf jedenfalls gespannt sein, wie das Ganze ausgeht, der letzte Versuch einer Rentenreform war nämlich der von 1995 und nach drei Wochen Streik wurden die Pläne wieder fallen gelassen.

Die Franzosen streiken aber nicht nur gern, sie sind auch gut im demonstrieren. Und weil heute sowieso nationaler Protesttag ist, haben auch die Lyonnaiser Studenten zur Demo gerufen. Sarkozy will den Universitäten nämlich auch mehr Freiheit in ihrer Finanzierung, z.B. über Wirtschaftspartner, eingestehen, was diese furchtbar kapitalistische Welt noch viel furchtbarer machen würde.

Wie dem auch sei, ich hab diesen „schwarzen Donnerstag“, wie hier einige Zeitungen titelten, ganz unbeschadet überlebt, Tram und Metro fuhren in Lyon nämlich noch recht regelmäßig und auf den Rest war ich heut nicht angewiesen. Angekündigt waren erst mal nur 24 Stunden Streik, aber beendet ist die Geschichte damit sicher noch nicht, denn weder Sarko noch streikende Franzosen scheinen zu denen zu gehören, die schnell aufgeben.